Nein, nein, nein, das ist doch aber mein Fleischtopf…!

Wo kommt eigentlich der hier im Blog verwendete Begriff der Drittmittelhuren in Bezug auf die ‚Wissenschaftler‘ her? So richtig eindeutig scheint der Begriff Hure nun zwar nicht definiert, wenn man dazu z.B. Wikipedia oder den Duden heranzieht. Allerdings findet sich im Duden eine Passage, die dann genau das beschreibt, was ich hier eigentlich meine: eine Person, die wahllos mit anderen Personen geschlechtlich verkehrt. Wir ‚Wissenschaftler‘ verkehren wahllos mit unseren Geldgebern, solange sie uns genau das geben, Geld. Wer der Geldgeber ist, ist – den meisten zumindest – so ziemlich egal. Hauptsache es wird bezahlt, damit wir weiter unsere ‚Forschungen‘ durchziehen können. Ich habe Forschungen hier in Anführungszeichen gesetzt, weil es selten noch zu echter Forschung kommt. Wir verbringen mittlerweile so viel Zeit damit, unseren lieben Geldgebern bedingungslos anbiedernd in den Allerwertesten zu kriechen, dass für echte Forschung recht wenig Zeit bleibt. Das Resultat ist, dass sich immer häufiger Profis im Arschkriechen an den Hochschulen wiederfinden, denn solche Mitarbeiter werden gebraucht. Kritik war gestern, heute wird gekrochen. Und immer häufiger führen mehrere erfolgreiche Projektakquisen dann auch zu der dementsprechenden Würdigung, dem Doktortitel. Wer sich fragt, wie es manche ‚Dissertationen‘ durch den Reviewprozess bringen, kann sich das nun sicher selbst beantworten: Hauptsache, du wirbst genügend Forschungsgelder ein, dann bekommen wir dich schon irgendwie durch. Eine Hand wäscht die andere. Geld für Titel. Und nichts anderes ist es. Man könnte sich eigentlich gleich den Titel kaufen, es läuft aufs Selbe hinaus, sieht nur nicht ganz so ehrlich aus. Und dann kommen halt, gelinde gesagt, mittelmässige Promotionen wie diese hier dabei raus. Ich möchte behaupten, dass der Anteil solcher Promotionen mittlerweile recht hoch ist, zumindest in den technik- und marktnahen ‚Wissenschaften‘.

Ich bin jetzt allerdings ein bisserl abgekommen, vom eigentlichen Plan. Drittmittelhuren, genau, das sind wir. Und da es uns egal ist, wer der Geldgeber ist, versuchen wir es natürlich auch überall. Neulich wurde bei uns festgestellt, dass sich eine Professur an unserem Institut seit kurzem dem selben Themenschwerpunkt widmet wie wir. So von heute auf morgen muss das passiert sein. Also quasi so, wie wir damals auf den Trichter gekommen sind, dieses Gebiet zu bearbeiten, obwohl wir dazu primär keine Expertise vorweisen konnten. Hat halt irgendwas mit Technik zu tun, das können wir schon. Und das hat sich dann wohl die andere Professur auch gedacht. Die Reaktion bei uns war köstlich. Da wurde ziemlich geflucht, was das denn bitteschön soll, und strategiert, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen. Für mich hat sich das jedenfalls alles angehört, als würde man einem kleinen Kind sein Spielzeug streitig machen: Nein, nein, nein, das ist mein Fleischtopf, in den du da grad deine Finger reinsteckst. Eine Kooperation ist bis heute nicht zustande gekommen, man hätte ja wenigstens die gemeinsame Inkompetenz bündeln können. Im Gieren nach Geldern ist sich halt doch jeder selbst der Nächste.

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