Wer hätte das gedacht…

„Eine schwedisch-deutsche Wissenschaftlergruppe hat eine große Anzahl Forschungsarbeiten auf ihre Verständlichkeit geprüft. Der Trend geht zu immer mehr Komplexität.“ https://www.heise.de/tr/artikel/Kompliziert-komplizierter-wissenschaftlicher-Text-3836975.html

Passierschein A38

Forschungsbürokratie in den USA:

http://slatestarcodex.com/2017/08/29/my-irb-nightmare/

Der Einsatz von proprietärer Software an den Hochschulen. Nur für den Kick für den Augenblick?

Ich arbeite nicht mehr an jener ‚Technik‘fakultät, von der ich vor 3 Jahren noch geschrieben habe. Ein paar nette Anekdoten möchte ich trotzdem gerne noch nachträglich teilen.

Als ich damals meine Stelle antrat, wurde mir vom Arbeitsgruppenleiter gesagt, dass es sehr erwünscht wäre, sich MS Windows auf dem Arbeitsrechner zu installieren. Es würde die Arbeit mit den Kollegen und den externen Projektpartnern aus der Wirtschaft erleichtern. Bevor ich mich dann endgültig für ein Betriebssystem entschied, erkundigte ich mich vorsichtshalber nochmal bei meinen neuen Kollegen. Alle nutzten MS Windows. Und alle sangen das selbe Lied. Das Betriebssystem aus Redmond erleichtere die Zusammenarbeit und außerdem wird es nicht so gern gesehen (weiter oben), in der Arbeitsgruppe ein anderes Betriebssystem einzusetzen. Also installierte ich mir etwas kopfschüttelnd ein Windows. Ich empfand es sehr irritierend. Die ‚Technik‘fakultät, von der ich nämlich sprach, war die Informatikfakultät der hiesigen Universität.

In der späteren praktischen Arbeit nutzten wir zum Teil Microsoft Office, um mit den externen Projektpartnerinnen Inhalte auszutauschen. Wir griffen aber auch häufig auf LibreOffice zurück oder konvertieren Inhalte gleich in PDF. Mir wurde nicht klar, wo jetzt der Vorteil der Nutzung von MS Windows lag. Wir entwickelten keine Software für Windows. Wir hatten auch keine speziellen Analysewerkzeuge im Einsatz, die nur unter Windows liefen (und deren Simulation sich auf anderen Betriebssystemen nicht angeboten hätte). Wir schrieben auch keine Artikel so parallel miteinander, dass man sich auf die (vielleicht) bessere Synchronisationsfunktion von MS Word gegenüber den LibreOffice/OpenOffice-Pendants hätte berufen können. Nix. Es gab keinen trifftigen Grund, MS Windows einzusetzen. Ich vermute mal, das Verhalten der Kollegen in der Abteilung hat sich irgendwann einfach so ausgerichtet, dass der Einsatz von MS Windows zu einem nichtantastbaren und nichthinterfragten Dogma wurde. Außerdem wird die Uni sicher einen fetten organisationsweiten Lizenzvertrag mit MS abgeschlossen haben. Jede Nichtnutzung von MS Lizenzen würde den Verantwortlichen diese sinnlos brachliegende Ressource MS Lizenz vor Augen geführt haben. Jetzt haben wir die Lizenzen einmal, jetzt müssen wir sie auch nutzen. So kam es, dass ich aus der Gewohnheit/Faulheit anderer gezwungen wurde MS Windows zu nutzen.

Mir fallen auch heute kaum plausible Gründe ein, weswegen die Wissenschaftlerin an einer Informatikuniversität dazu aufgefordert wird, MS Windows zu nutzen. Der Einsatz proprietärer Software sollte so stark wie möglich eingeschränkt werden. Er widerspricht den Ansprüchen an einen freien und kritischen Wissenserwerb.

Schon mal für die Exzellenz-Initiative beworben? Lieber die Finger von lassen, wer hätte das gedacht: „the evidence even suggests that applicants suffered a drop in efficiency at the time of applying.“ (Quelle: http://www.wifa.uni-leipzig.de/fileadmin/user_upload/AP/UL-WiFa_AP142_Gawellek_Sunder.pdf).

Lobby verstummt Wissenschaft

Kritische Perspektiven auf wirtschaftspolitischen Lobbyismus? Nicht erwünscht!

http://www.soziologie.de/de/nc/aktuell/meldungen-archiv/einzelansicht/archive/2015/10/23/article/vorlaeufiges-vertriebsverbot-der-sammelpublikation-oekonomie-und-gesellschaft-bundeszentrale-fuer-politische-bildung-durch-das-bundesministerium-des-innern.html

Wieso? Verwoben sind Wirtschaft und Wissenschaft!

Die liebe alte Zeit brachte vor ner ganzen Weile einen nett gemeinten Artikel zu den Verstrickungen von Wissenschaft und Wirtschaft: Wie verwoben sind Wirtschaft und Wissenschaft? Und auch die TAZ hat dazu geschrieben. Ich wollte irgendeinen größeren Beitrag dazu verfassen, hab ihn mittlerweile vergessen.

Willkommen bei uns zuhause!

Vor kurzem hat unser großer Chef hier einen neuen Geschäftsführer eingestellt. Eigentlich war ein anderer Kollege vorgesehen, aber da sich dieser und unser direkter Chef vielleicht nicht immer ganz zur Zufriedenheit aller verhalten haben, hat der große Chef halt mal jemand anderem den Vorzug gegeben. Da war natürlich erst einmal miese Stimmung. Der neue Geschäftsführer scheint eigentlich aber ganz nett zu sein, jedenfalls gibt er sich Mühe. Das ist unserem direkten Chef jedoch egal, schließlich ist er nicht sein Wunschkandidat gewesen. Naja, und was machen wir da am besten? Wir sagen allen Kollegen, dass man ja nicht zu viel mit ihm zusammenarbeiten solle. Das fängt dann bei so Sachen wie der Einrichtung von Internet und Drucker an. Ernsthaft! Wie mies ist das denn? Da arbeitet einer im selben „Unternehmen“ und er wird von Anfang an gedisst.

Learning by doing oder nicht doing, das ist hier die Frage.

Ich durfte vor einiger Zeit ein Skript zu einer Vorlesung anfertigen – 100 Seiten harte Theorie – hat mich mehrere Monate gekostet und ist mir, wie ich fand nicht ganz mißglückt. Mein Chef nutzt dieses Skript nun in seiner Vorlesung. Sein Name steht als Dozent in der Veranstaltung und auf dem Skript, meiner steht nirgends. Das muss ich ändern, dachte ich mir, sonst kann ich irgendwann vielleicht nicht mal mehr auf mein eigenes Material zurückgreifen. Also habe ich im Skript am Anfang eine Zeile hinzugefügt, in der ich die Autoren liste. Und da mein Chef nicht mitgeschrieben hat, steht er da auch nicht mit als Autor, ganz einfach, immerhin darf er sich ja noch Dozent der Veranstaltung schimpfen. Jedenfalls hat dies mein Chef irgendwann wohl mitbekommen und mich allerdings nicht direkt damit konfrontiert. Eines Tages kam er dann so an und meinte, er hatte da eine ganz tolle Idee und ob er diese nicht im Skript ergänzen könne. In diesem Moment wusste ich schon mehr oder minder, worauf das hinausläuft, allerdings kann ich da ja nix gegen haben, wenn es das Skript aufwertet, dann ist das ok für mich. Mein Chef hat daraufhin fix eine Seite ergänzt, sich wie erwartet als Autor eingetragen und das Skript online gestellt. Da mich natürlich interessiert hat, was er da so geschrieben hat, las ich mir die eine Seite mal durch und konnte wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Er hat es tatsächlich zustande gebracht auf einer Seite Text ca. 20 Rechtschreibfehler einzubauen. Außerdem habe ich eine fast wortgleich klingende Überschrift vorher verwendet, dort wäre der Inhalt besser aufgehoben gewesen. Als ich ihn dann fragte, ob er das Skript schon online gestellt hat, meinte er ja und ich so, dass das Skript noch einige Fehler enthielt und er das nochmal überarbeiten sollte, bevor er es online stellt. Gesagt getan, am nächsten Tag war die neue Version online. Und da ich natürlich gespannt war wie ein Flitzebogen, dachte ich mir, schauste dir auch diese Version mal an. Und tatsächlich, das Skript enthielt auf der einen Seite immer noch 12 Fehler! 12 Fehler, nachdem ich ihn bereits darauf hingewiesen habe, auf einer Seite! Und damit nicht genug, er hat es dann auf meinen Hinweis noch einmal kontrolliert und immer noch einige Fehler drin gehabt, die ich dann mal lieber selber korrigiert habe. Am Ende denkt die Welt noch, ich wäre hier der Legastheniker – unglaublich.

Die Vokü soll das Volk mundtot machen…

So, liebe Drittmittelhuren, heute möchte ich von einer meiner liebsten Anekdoten berichten, die sich so in meinem bisherigen ‚Wissenschaft‘lerleben ereignete. Mein geliebter Chef und ein nicht weiter nennenswerter Kollege organisieren alljährlich eine Konferenz. Der wissenschaftliche Zweck dieser Konferenz ist äußerst fraglich, die eigentliche Intention liegt darin, Publikationen in Geld zu verwandeln: Teilnahme an der Konferenz kostet Geld, die Teilnehmer benötigen die Publikation (Publish or Perish) und das Resultat ist, dass der Publikationszwang dafür sorgt, dass bei den Konferenzgebern die Kasse klingelt (Ich möchte an dieser Stell kurz klarstellen, dass nicht alle Konferenzen so motiviert sind. Manche verpflichten sich tatsächlich dem wissenshaftlichen Fortschritt. Ich möchte allerdings behaupten, die redlichen Konferenzen sind mittlerweile in der Unterzahl).

Die Konferenzorganisation wurde dann gentlemenlike einer unserer Kolleginnen überlassen – die Herren ‚offizielle Organisatoren‘ hielten sich in Bezug auf Arbeitsaufwand für die Konferenz stark zurück. Die Konferenz war dann inhaltlich auch eher lau – sofern ich das korrekt beurteilen kann – wenige Einreichungen, ein belangloser Konferenzband ohne wirklich innovative Beiträge.

Nun hat die Konferenz allerdings tatsächlich Gewinn gemacht, es gab doch so viele Teilnehmer, dass sich Catering, Review und Publikation lohnten. Und was macht der anständige Wissenschaftler mit so einem Gewinn? Genau, er steckt ihn in seine eigene wissenschaftliche Weiterbildung zu dem Thema oder in eine Folgekonferenz im nächsten Jahr. Denkste! Mein toller Chef und mein Lieblingskollege kauften sich erst einmal ein neues Handy – Geschäftshandy, versteht sich. Resultat war dann, das mein Kollege mehrere Tage einfach nur rumsaß und mit dem Teil rumspielte – ernsthaft, nicht erfunden.

Jedenfalls blieb diese Fehlleitung von eigentlichen Forschungsgeldern nicht unentdeckt – ein Grund weswegen ich hier darüber schreiben kann. An der Professur wurde relativ offen darüber gesprochen und nicht wenige fanden die Aktion extrem widerlich. Und prompt, 2 Wochen später, gab es dann eine offizielle Einladung an alle Kollegen zu einem Abendessen in einem etwas elaborierteren Schnellrestaurant. Die haben tatsächlich versucht uns mit Billigfleisch und reudigem Ambiente mundtot zu machen. Einige Kollegen haben das dann tatsächlich nicht so eng gesehen. Bei ner 50% Stelle nimmt man auch gern so ein Angebot an. Die Handygeschichte ist seitdem nie wieder angesprochen worden – bis heute.

Nachhaltiges Publizieren

Das nenne ich doch mal eine Ansage: Clemens Albrecht auf dem SozBlog auf soziologie.de zu nachhaltigem Publizieren. Aber ganz ehrlich, wird sich hier was ändern? ….nie im Leben!




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